Problem: Schmierfett als Kontaminationsrisiko
In Verpackungsmaschinen für Lebensmittel und Pharmaprodukte sitzen Kunststoffgleitlager oft unmittelbar neben dem Produktstrom. Ein Gramm austretendes Schmierfett reicht, um eine Charge zu blockieren, zusätzliche Reinigungszyklen auszulösen und Stillstände zu verlängern. Betreiber messen den Aufwand deshalb nicht in Schmierstoffkosten, sondern in Stunden ungeplanter Wartung, in Ausschuss und in Dokumentationsaufwand für die Rückverfolgbarkeit.
Ursache: kurze Hübe, hohe Takte, wenig Platz
Die belasteten Lagerstellen führen keine langen Rotationen aus. Sie vollziehen kurze Schaltbewegungen, oft im Sekundentakt, bei Flächenpressungen von mehreren Megapascal. Fett wird in diesen Oszillationsbewegungen aus dem Kontaktbereich verdrängt; Mischreibung entsteht, der Kunststoff erwärmt sich, und die Standzeit sinkt. Weil die Bauräume klein bleiben, scheiden aufwendige Zentralschmierungen oder größere Lager oft aus. Konstrukteure suchen deshalb nach einer trockenen Lösung, die ohne Nachschmierung auskommt und dennoch definierte Reibwerte liefert.
Lösung: golisimo als trockenschmierende Gleitlackschicht
Hier setzt golisimo an: Der Gleitlack wird als dünne Schicht auf das Kunststoff- oder Metallgegenstück aufgebracht und bildet einen trockenen Tribofilm. Entscheidend ist nicht die Schichtdicke allein, sondern die Einbettung von Festschmierstoffen in eine Matrix, die auf das Gegenmaterial abgestimmt ist. In der Auslegung werden Reibpartner, Anpressdruck und Hubfrequenz gemeinsam betrachtet; pauschale Produktdatenblätter reichen für die Freigabe nicht aus.
Testaufbau: Kurzhubversuch statt Normwert
Für eine belastbare Freigabe wird das reale Bewegungsprofil nachgefahren. Ein typisches Prüffenster liegt bei 1 Hz bis 5 Hz, 10 N bis 50 N Normalkraft und einer Bauteiltemperatur zwischen 20 °C und 60 °C. Gemessen werden Reibkraft, Verschleißtiefe und Partikelbildung nach definierten Zyklen. Wichtig ist eine Gegenprobe mit unbeschichteter Paarung: Erst der Vergleich zeigt, ob golisimo die Reibung stabilisiert oder nur den Anfangszustand verändert.
Praxischeck: vier Punkte vor dem Serieneinsatz
- Werkstoffpaarung prüfen: POM gegen beschichteten Stahl verhält sich anders als PEEK gegen Aluminium.
- Oszillation testen: Kurzhubversuche mit realer Frequenz und Temperatur liefern belastbarere Werte als reine Normprüfungen.
- Reinigung einplanen: Laugen und Dampfstrahl können den Trockenfilm angreifen; die Beständigkeit gehört in die Spezifikation.
- Toleranzen anpassen: Eine Gleitlackschicht verändert das Einbauspiel; die Konstruktion muss die Schichtdicke berücksichtigen.
Grenzen: Reinigung und Toleranzen bleiben Konstruktionsaufgaben
Ein Trockenfilm ist keine dauerhafte Trennung gegen aggressive Medien. Laugen, Dampfstrahl und mechanische Reinigung können die Schicht angreifen; die Beständigkeit muss in die Spezifikation und in den Reinigungsplan. Zudem verändert die Beschichtung das Einbauspiel. Wer die Schichtdicke nicht in der Toleranzkette berücksichtigt, riskiert Klemmung oder zu viel Spiel. Der Serieneinsatz gelingt nur, wenn Oberfläche, Gegenkörper und Montage als Einheit geprüft werden.
Ergebnis: weniger Wartung, planbare Reibung
Der Nutzen zeigt sich nicht in einem einzelnen Kennwert, sondern in der Kombination aus konstanter Reibung, geringer Partikelbildung und entfallender Nachschmierung. Für Verpackungsmaschinen heißt das kürzere Reinigungszeiten, weniger Produktkontakt mit Schmierstoffen und reproduzierbare Schaltkräfte. golisimo ist in dieser Anwendung kein Allheilmittel, sondern eine Oberflächenlösung, deren Wirkung an der konkreten Tribologie gemessen werden muss.
